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Freitag, 4. Juni 2021

Aufbauen

 

 

 

Aufbauen

Die Zeit der Taufen und Sakramente beginnt, zumindest für mich.

Der Weg, ein Christ zu werden, ist die Frucht einer Begegnung. Einer Begegnung mit Gott, einer Begegnung mit Jesus Christus. Christsein bedeutet nicht (nur), nach bestimmten Regeln zu leben. Es ist auch nicht (nur) der Glaube an Gott. Es ist auch nicht (nur) die Liebe zu anderen. Giacomo Biffi, der große Bischof von Bologna, schrieb: "Noch bevor das Christentum eine Religion, eine Moral, ein Kult, eine Philosophie ist, ist es ein ABENTEUER: das Ereignis der Auferstehung Jesu von Nazareth, das zum Prinzip der Erneuerung der Menschen und der Dinge wird. Deshalb ist es zeitlos: Doktrinen werden geboren, machen ihr Glück, verzaubern für Jahrzehnte und vielleicht für Jahrhunderte, um dann zu verfallen und zu sterben. Die christliche Tatsache bleibt, gerade weil sie eine Tatsache ist".

Hier in Zentralafrika ist der Weg zum Empfang der Taufe ziemlich lang. In der Regel sind es drei oder vier Jahre Vorbereitung. Die Vorbereitung ist den Katechisten anvertraut, die in den Dörfern das Herz der christlichen Gemeinschaft sind.

Und nach der Firmung bereiten wir uns nun auf die verschiedenen Sakramente (Taufe und Erstkommunion) vor. Nachdem ich bereits die Katechismus-Prüfungen durchgeführt hatte, ging ich am Sonntag, den 30. Mai, nach Igwe, dem kleinsten Dorf. Trotz einer strohgedeckten Kapelle und trotz der Begrenztheit des Katecheten war alles bereit. Die Christen hatten das Gras rund um die Kirche gemäht und eine Plane auf das Dach der Kapelle gelegt, falls es regnen sollte. Und vor allem waren die acht Jungen und Mädchen, die getauft wurden, und die zwei Erstkommunionkinder bereit. Es war ein großes Fest, aber vor allem war es eine große Freude über ein so großes Geschenk und über den Segen, in der Kirche zu sein.

Am Montagmorgen bin ich nach Bangui gefahren, von wo ich heute, Donnerstag, zurückgekehrt bin. Viele Treffen und viel Arbeit, um die Baustelle des neuen Karmelklosters vorzubereiten. Wir haben die Maschinen aufgestellt, mit denen wir vor Ort die mehr als 200.000 Ziegelsteine herstellen können, die für den Bau des Klosters notwendig sind. Die Ziegel werden aus einem Teil Erde, einem Teil Sand und ein wenig Zement hergestellt und mit speziellen Maschinen gepresst. Wir warten auf den Zement, der auf dem Flussweg aus dem Kongo kommen soll. Allein für die Ziegelsteine werden mehr als 4.500 Säcke benötigt!

Nur zu!



L'orchestra
La Chorale

I nuovi battezzati
Les nouveaux baptisés




Scuola di Agricultura "Carmel" a Bangui
L'école d'Agriculture "Carmel" à Bangui

Fabbricazione dei mattoni a Bangui
La production de blocs à Bangui

 

 

Freitag, 28. Mai 2021

Der Mai, ein großartiger und schöner Monat!

 

 


Der Mai, ein großartiger und schöner Monat!

Nun sind wir in den letzten Maitagen angelangt.

Es ist der Monat, in dem wir die Himmelfahrt Jesu und das Geschenk des Heiligen Geistes an Pfingsten gefeiert haben. Es sind zwei große Feste, die uns dabei helfen, uns daran zu erinnern, wie schön eine Kirche ist, die vom Heiligen Geist erfüllt ist, die Sprache Jesu spricht und jenseits der Strukturen nur aus Männern und Frauen besteht, die von Gott geliebt werden.  

Ich dachte am Sonntag, dem Pfingstfest, daran, als ich die Messe in Balembe feierte, einem Dorf, wo die christliche Gemeinde klein und fragil ist. Das kleine Kirchlein besteht dort nur aus einer Überdachung, die (teilweise!) mit Blättern gedeckt ist. Aber Gott hat dort dieselbe Macht wie in den großen Kathedralen. Und der Glaube ist dort das Fundament des Lebens, auch wenn das Kirchlein keine Fundamente hat! Die Liturgie ist einfach, mit etwas falsch gesungenen Liedern, aber sie wird von allen mitempfunden: von der Großmutter bis hin zum fünf Monate alten Kind, das schon im Rhythmus der Trommeln tanzt (die bisweilen durch zwei leere Kanister ersetzt werden).

Am Dienstag bin ich kurz nach Bozoum gefahren, weil die Mutter eines Mitbruders, P. Dieudonné, gestorben ist. Derweil naht das Ende des Schuljahrs in unseren Schulen, inklusive dem Kindergarten und der Mechanikerschule.

Ein schöner und großartiger Monat! Und heute (27.5.) vor 32 Jahren bin ich zusammen mit P. Roberto Nava zum Priester geweiht worden! Genau an meinem Geburtstag!

Das Geschenk des Lebens und das Geschenk des ewigen Lebens!



Scuola meccanica
école mécanique

Matrimonio a Baoro
Mariage à Baoro

Balembe



Bozoum


27 MAGGIO 1989 - Ordinazione sacerdotale
27 mai 1989: le jour de mon ordination sacerdotale




Donnerstag, 20. Mai 2021

Land der Menschen, Land Gottes

 


 

Land der Menschen, Land Gottes

Das ganze Leben, die ganze Welt ist ein Raum der Auseinandersetzung zwischen Gut und Böse, zwischen Leben und Tod.

In dieser Woche hatte ich die Gelegenheit, diese Wirklichkeit in besonderer Weise wieder zu erleben: Am Freitag war ich in Niem, einem Landstrich, wo Krieg und Tod herrschen, während wir von Samstag bis Dienstag das Sakrament der Firmung und das Einbrechen des Heiligen Geistes in die Welt gefeiert haben.

Am Freitag, d. 12. Mai, fuhr ich nach Niem. Dort war einige Tage zuvor Pater Arialdo in die Luft gejagt worden, als sein Auto auf eine Mine traf. Er und ein Mitfahrer blieben unverletzt, aber ein anderer Mitfahrer starb. 

Das Gebiet ist gefährlich: Die Rebellen wurden offiziell von der regulären Armee (russischen, ruandischen und zentralafrikanischen Soldaten) verjagt, aber dennoch sind sie in dem Gebiet präsent. Sie sind es, die auf einigen Straßen Minen gelegt haben. Und den vergangenen Tagen gab es weitere ähnliche Vorfälle, und es kam auch zu Angriffen auf Händler und Durchreisende.

Da es sich um ein Gebiet handelt, in dem die Menschen Not leiden, haben wir als Caritas uns dazu entschlossen, weiterzuarbeiten. Und am Freitag habe ich rund ein Dutzend Menschen begleitet, die sich einige Tage mit den Familien trafen und insbesondere mit denen sprachen, die besonders in Not sind. Bei diesem Projekt werden wir unterstützt durch den Catholic Relief Service, die Caritas der USA.

Ich traf Pater Arialdo. Er ist 82 Jahre alt und hat fünfzig Jahre in Thailand, an der Elfenbeinküste und in der Zentralafrikanischen Republik verbracht. Er ist sehr stark, aber der Schlag war sowohl physisch als auch psychologisch sehr schwer.  


Und von Samstag bis Dienstag war Raum für den Heiligen Geist!

Der Bischof von Bouar, Mirek Gucwa, war zu uns gekommen, um das Sakrament der Firmung zu spenden. Es ist das Geschenk des Heiligen Geistes, der die Christen bestätigt und aus ihnen Zeugen Christi macht.

Wir hatten vier Feiern organisiert: am Samstag in Mbormo (an der Straße in Richtung Bossemptele) für die Dörfer Ngoumbou, Mbormo, Bawi, Barka Bongo, Zoungbe und Balembe. Am Sonntag waren wir in Baoro. Am Montag in Pate Bonambolo (25 km an der Straße von Carnot) für die Dörfer Samba Bougoulou, Pate und Bayanga Bode.

Am Montag ließ ich den Bischof nach der Firmung in Pate zurück und fuhr mit den Schreinern in die am weitesten entfernt gelegenen Dörfer. Gegen 14 Uhr kam ich in

Bayanga Didi, an, das ca. 90 Kilometer von Baoro entfernt gelegen ist. Dort versammelten sich die Kandidaten aus den Dörfern Yoro und Sinaforo.

Während die Schreiner die Kirchenbänke reparierten, hielt ich die letzten Prüfungen ab und hörte Beichte. Dienstagfrüh traf der Bischof gegen acht Uhr ein, und die Leute empfingen ihn feierlich.

Gegen 9:30 Uhr begannen wir die Messe, während derer ca. sechzig Jungen, Mädchen, Jugendliche und Erwachsene das Sakrament der Firmung empfingen. Die Feier war sehr intensiv, und wir spürten die Gegenwart Gottes und die Kraft des Heiligen Geistes. Und ich freue mich, denn unter den Firmlingen war Junior, ein taubstummes Kind! Es war glücklich!

Gegen 12:30 Uhr waren wir fertig. Es war Zeit, uns zu verabschieden und das Auto zu beladen, und wir brachen in Richtung Baoro auf. Die Straße ist ein Pfad im Wald, mit Löchern, Steinen, Bäumen… Und auch ein umgestürzter Baum zwang uns, anzuhalten und ihn zu zerkleinern, um weiterfahren zu können.

Gegen 16 Uhr waren wir endlich in Baoro.


Mbormo



Baoro




Pate Bonambolo




Bayanga Didi

P.Stefano


Junior

Bayanga Didi

Imprevisti
Imprévues


Termitaio
Termitière





Freitag, 14. Mai 2021

Welch ein Verkehr!

 

 

Welch ein Verkehr!

Ab und zu hoffe ich, mich ein wenig zu langweilen und dass ich nichts habe, was ich erzählen kann, aber es gibt dagegen jede Woche entweder etwas Neues oder etwas Interessantes oder etwas Originelles. Oder es ist neu und interessant und originell…

In dieser Woche haben wir die Firmungen vorbereitet. Der Bischof von Bouar, Mirek Gucwa, wird Ende der Woche eigens dafür kommen.

Aber es ist viel Arbeit, das alles vorzubereiten. Die Katecheten haben ihr Bestes gegeben, um die Jungen, Mädchen, die jungen Leute und die Erwachsenen vorzubereiten. Und vor der Feier ist es notwendig zu überprüfen, wieviel sie wirklich gelernt haben.

So bin ich in dieser Woche von Dorf zu Dorf gefahren, um die Firmlinge zu treffen, ihnen zu helfen, sich vorzubereiten, und ich habe auch die „ Katechismusprüfungen“ abgenommen: den Samstagnachmittag widmete ich den Dörfern, die an der Straße nach Bangui näher gelegen sind, am Sonntag bin ich im Dorf Samba Bougoulou gewesen, und am Dienstag und Mittwoch war ich in den Dörfern, die am weitesten entfernt sind, in Yoro, Bayanga Didi und Sinaforo.

Am Dienstagvormittag bin ich gegen 6 Uhr aufgebrochen und nach 8.30 Uhr in Bayanga Didi angekommen. Ich habe einen Katecheten und drei Maurer mitgebracht, damit sie den Verandafußboden der kleinen Kirche erneuern, der von der Zeit und den Ziegen(!) verdorben ist.

Ich wechselte zwischen Baustelle und Prüfungen und am Abend sind wir gut vorangekommen. Ich hatte auch Zeit für einen Rundgang durch das Dorf. Hier gibt es eine kleine Praxis samt Entbindungsstation. Und es gibt die staatliche Schule, in der aber der letzte Unterricht am 20. April stattfand! Man muss wirklich etwas für die Schulen in diesem Teil des Landes machen!

Am Mittwochvormittag ging ich nach der Messfeier um 6 Uhr nach Yoro, das 5 km entfernt liegt. Hier prüfte ich die Kandidaten und bereitete sie vor. Gerade während der Beichten informierte man mich, dass in Bayanga Didi Rebellen der Gruppe 3R gesehen worden seien. Sie hatten vor einigen Tagen einige Motorräder gestohlen und einige Händler angegriffen. Nach der Beichte warteten wir ein bisschen und angesichts der Tatsache, dass es keine merkwürdigen Bewegungen und auch keine Schüsse gab, brachen wir nach Bayanga Didi auf, wo es ziemlich ruhig war. Gott sei Dank falscher Alarm!

Als die Maurer mit der Arbeit fertig waren, konnten wir um 15.30 Uhr aufbrechen.

Wir fuhren bei Regen, mitten in der Savanne und zwischen den Bäumen. Die Straße wurde in diesen Tagen nicht besser: Man braucht etwa drei Stunden für 74 Kilometer! Vielleicht ist der Verkehr schuld: Wir sind genau einem Motorrad und einem Auto begegnet!

Trotzdem kam ich erst nach Einbruch der Dunkelheit in Baoro an.

Und trotz allem ist alles gut gegangen!



Bayanga Didi: prima
Bayanga Didi: avant

Bayanga Didi: dopo
Bayanga Didi: après